Prävention / Lions Quest

Präventionskonzept des Herbartgymnasiums

Die Schule hat gemäß §2 des Niedersächsischen Schulgesetzes die Aufgabe, „die
Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage des Christentums, des
europäischen Humanismus und der Ideen der liberalen, demokratischen und sozialen
Freiheitsbewegungen weiterentwickeln“. Dazu gehört z.B., dass Schülerinnen und
Schüler lernen, selbstbestimmt, reflektiert und gesundheitsbewusst zu leben, nach
ethischen Grundsätzen zu handeln, Beziehungen zu anderen Menschen nach den
Grundsätzen der Gerechtigkeit, der Solidarität und der Toleranz sowie der
Gleichberechtigung der Geschlechter zu gestalten, Konflikte vernunftgemäß lösen, sich
mit den Meinungen anderer kritisch und konstruktiv auseinanderzusetzen und ihre
Wahrnehmungs- und Empfindungs- und Ausdrucksmöglichkeiten entfalten (vgl. NSchG
§2).
Der rechtlichen Grundlage ist ein eindeutiger Präventionsauftrag zu entnehmen, dem
sich alle Lehrenden am Herbartgymnasium verpflichtet fühlen. Prävention ist damit
nicht nur punktueller curricularer Bestandteil, sondern eine Leitlinie und Grundprinzip
des Unterrichts in allen Fächern. Unserem an Johann Friedrich Herbarts Thesen
orientierten Leitbild – Nur die Einheit von Lehre und Erziehung fördert den ganzen
Menschen! – ist der Präventionsgedanke immanent. Die Verpflichtung aller am
Schulleben Beteiligten auf den schulintere Werte- und Erziehungskonsens des
Herbartgymnasiums soll dazu dienen, ein angenehmes Schulklima zu schaffen, in dem
Probleme gar nicht erst entstehen. Ein ausdifferenziertes Unterstützungsangebot
(Beratungslehrerin, Vertrauenslehrer*in, Streitschlichter, SV-Lehrer,
Mobbinginterventionsteam) steht zur Verfügung. All diese Akteure werden nicht nur
reaktiv tätig, sondern agieren auch präventiv, indem sie als Ansprechpartner fungieren,
Probleme antizipieren und gegebenenfalls im Rahmen ihrer Zuständigkeit tätig werden.
Das Präventionskonzept des Herbartgymnasiums beinhaltet – zusätzlich zu den dem
Unterricht immanenten Maßnahmen – Aktionstage bzw. weitere, nicht fachgebundene
Angebote in den Handlungsfeldern „Medien“, „Sucht“, „Gewalt“ sowie „Gesundheit“. In
dem Bewusstsein, dass externe Expertise in vielen Fällen hilfreich ist, suchen wir den
Kontakt zu außerschulischen Partnern. Das konkrete Angebot in einem jeden Schuljahr
richtet sich demnach auch nach deren Angebot und Verfügbarkeit.

 

Lions Quest als zentrales Präventionsprogramm am HGO

„Lions Quest – Erwachsen werden“ ist ein Programm, das Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I (10-14 Jahre) in einer entscheidenden Phase der Persönlichkeitsentwicklung unterstützt.

Durch das Programm werden gezielt

  • Akzeptanz von Verschiedenheit
  • Entwicklung von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
  • Wahrnehmen und Umgang mit eigenen Gefühlen und Gefühlen anderer
  • Konfliktfähigkeit
  • kritisches Denken
  • Übernahme von Verantwortung gefördert.

Diese sozialen Kompetenzen werden im Rahmen eines methodischen Konzepts in aufeinander abgestimmten und aufeinander aufbauenden Einheiten vermittelt.

Das Programm wurde in den 1970er Jahren von der unabhängigen amerikanischen Stiftung „Quest International“ (Quest, engl. = Suche, Streben) unter dem Namen „Skills for Adolescence“ entwickelt. Seit 1984 wird es in Kooperation mit Lions Clubs International in inzwischen mehr als 50 Ländern weltweit eingesetzt. In den 1990er Jahren wurde das Programm erstmals in Deutschland angeboten und anschließend an deutsche gesellschaftliche und schulische Verhältnisse angepasst.

Seit 2014 erweitert das Programm „Lions Quest – Erwachsen handeln“, das sich an Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 – 21 Jahren richtet, das Angebot.

Diese Erweiterung des Programms befähigt dazu,

  • die Anforderungen der modernen Gesellschaft erfolgreich zu bewältigen
  • stärkt Selbstkompetenz, Identitätsbildung, emotionale Bildung
  • fördert die Sozialkompetenz und die Fähigkeit zum kritischen Denken
  • vermittelt Demokratieverständnis und Verständnis für Menschenrechte
  • fördert die Bereitschaft zum sozialen Engagement

 

Inhalte von Lions Quest

 Im Mittelpunkt der Arbeit mit „Erwachsen werden“ und „Erwachsen handeln“ steht die planvolle und systematische Förderung der sozialen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Sie werden nachhaltig dabei unterstützt, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu stärken, Kontakte und positive Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Darüber hinaus sollen sie befähigt werden, Konflikt- und Risikosituationen in ihrem Alltag angemessen zu begegnen und konstruktive Lösungen für Probleme, die gerade die Pubertät gehäuft mit sich bringt, zu finden.

Auf diese Weise ermöglicht das Programm jungen Menschen eine Orientierung beim Aufbau eines eigenen, sozial eingebundenen Wertesystems.

Diesem Ansatz der Life-Skills-Erziehung (Lebenskompetenz-Erziehung) werden von der aktuellen Forschung die größten Erfolgsaussichten bei der Prävention (selbst-) zerstörerischer Verhaltensweisen (Sucht- und Drogenabhängigkeit, Gewaltbereitschaft, Suizidgefährdung) zugesprochen.

 

Umsetzung von Lions Quest am HGO

Der Namensgeber des Herbartgymnasiums hat den folgenden Grundsatz formuliert, der das Leitbild der Schule bestimmt:

„Findet aber in gesunder Weise ein erziehender Unterricht statt, so wird dadurch allmählich in der Seele des Schülers ein vielseitiges, tiefes Interesse geschaffen, welches ihn weit über das bloße Aneignen von Kenntnissen hinaus zur Selbsttätigkeit anregt und die feste Grundlage jeder wahren wissenschaftlichen Bildung ausmacht.“ (J.F. Herbart)

Die daraus abzuleitenden Erziehungsziele Wertschätzung sozialer Regeln, Toleranz und Fairness im Umgang miteinander, kritisches Denken und Zivilcourage, gesunde Lebensführung sowie interkulturelle Kompetenz korrespondieren mit den Grundideen von Lions Quest.

Daher ist das Programm Lions Quest als ein Element des Präventionsprogrammes am HGO implementiert.

Um die Verbindlichkeit und damit Nachhaltigkeit der Umsetzung der Inhalte zu gewährleisten, wurden im Rahmen einer schulinternen Lehrerfortbildung alle Kolleginnen und Kollegen des HGO geschult und damit befähigt, die einzelnen Bausteine mit den Klassen durchzuführen. Neue Kolleginnen und Kollegen sind angehalten, sich nachschulen zu lassen.

Es sind zwei Lions Quest-Trainingstage pro Schuljahr fest verankert: Der erste findet zu Beginn des Schuljahres statt, der zweite abhängig von schulinternen Planungen zum Ende des ersten Halbjahres bzw. zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres.

An diesen Trainingstagen werden Inhalte, die im Vorfeld durch eine Lions Quest- Arbeitsgruppe für die Jahrgänge 5 bis 10 festgelegt wurden, verbindlich in den Klassen erarbeitet.